Traditionelle Chinesische Medizin

Neurodermitis-Behandlung

Hautprobleme, Juckreiz – viele Menschen sind betroffen. Jedes Krankheitsbild wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) individuell diagnostiziert und auch individuell therapiert.

Drei junge Frauen weißgekleidet, die sich umarmenIn der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt es zu jedem energetischen Zustandsbild, das sich körperlich auf der Haut manifestiert, ein entsprechendes emotionales Korrelat. Zorn, Freude, Sorge, Grübeln, Trauer (Gram, Reue), Angst und Schock führen unter normalen Umständen zu keiner Erkrankung. Erst wenn Emotionen im Übermaß vorhanden sind, treten Beschwerden auf. Ein typisches Krankheitsbild im Zusammenhang mit emotioneller Belastung ist die Neurodermitis.

Innere und äußere Faktoren

Als weitere Krankheitsursachen gelten Diätfehler. Beispielsweise steht in Kapitel zehn des wichtigsten Werkes der TCM, dem Huangdi Neijing („Des Gelben Kaisers Klassiker der Medizin”), geschrieben: „Ein Übermaß an bitteren Nahrungsmitteln verursacht Trockenheit der Haut sowie ein Ausfallen der Haare.”

Auch Verhaltensfehler, wie beispielsweise ein falsches Verhältnis zwischen Aktivität und Ruhe, wirken sich ungünstig aus. So führen Überarbeitung und Schlafmangel über einen längeren Zeitraum zu einer Erschöpfung des Nieren-Yin. Die daraus entstehende Leere-Hitze kann, in Kombination mit dem äußeren „Pathogenen Faktor” Wind, Anlass zu juckenden Hauterkrankungen geben.

Zu diesen äußeren krankmachenden Faktoren zählen neben Wind außerdem Kälte, Sommer-Hitze, Nässe (Feuchtigkeit), Trockenheit und Hitze (Feuer). Im Normalfall passt sich der menschliche Körper gut an äußere Wetterbedingungen an. Unter Belastung können die Körperfunktionen davon aber gestört werden. Grundsätzlich gilt: Hautprobleme, die ausschließlich aufgrund von inneren Ursachen entstehen, sind leichter zu behandeln als Hautprobleme, die aus einer Kombination von inneren und äußeren Ursachen hervorgerufen werden.

Die Schulmedizin sieht in der Neurodermitis eine Hautmanifestation im Rahmen einer Allergie. Nahe verwandt sind allergische Rhinitis, Nahrungsmittelallergien sowie Asthma bronchiale. Die Therapie besteht darin, den Kontakt zu Substanzen, die die Haut reizen, zu meiden (wie z. B. Kunstfaser; gut vertragen wird Kleidung aus Baumwolle). Weitere Empfehlungen: Tägliche Pflege mit warmem, aber nicht heißem Wasser und befeuchtenden Cremes; im akuten Schub lokale Glukokortikoide sowie Antihistaminika zur Milderung des Juckreizes (eine systemische Glukokortikoid-Therapie sollte schweren Fällen vorbehalten bleiben!).

„Wind in vier Gelenken”

Die chinesische Bezeichnung für Neurodermitis lautet „si wan feng”, wörtlich übersetzt: „Wind in vier Gelenken”. Laut Prof. Jia Chang ist jede Hautproblematik auf eine Schwäche des Wei-Qi (Abwehr-Qi) zurückzuführen. Diese Schwäche korrespondiert mit einer Schwäche des Immunsystems. Weiter lehrte er, dass sich zwischen Haut und Muskulatur eine wichtige Schicht befindet, deren Aufgabe es ist, die Haut mit Nährstoffen zu versorgen. Befinden sich in diesem Bereich „Schleim-Ansammlungen”, wird die Haut nicht mehr optimal mit Nährstoffen versorgt. Als Ursache kann primär eine Milz-Qi-Schwäche angesehen werden, die zu einer eingeschränkten Transport- und Transformationsfunktion der Milz führt. Als Folge einer Milz-Qi-Schwäche kommt es zur Ansammlung von Feuchter-Hitze in der Schicht unter der Haut.

Wenn nun Menschen zusätzlich den äußeren klimatischen Faktoren Wind, Feuchtigkeit und Hitze ausgesetzt sind, akkumulieren diese unter der Haut und führen zu Neurodermitis. In schweren Fällen kommt es zu einem Verlust von Körpersäften (Jinye), dies wiederum führt langfristig zu einem Yin- und Blut-Mangel sowie zur Bildung von innerem trockenem Wind. Dieser innere Wind manifestiert sich bei Betroffenen als Juckreiz.

Die TCM gliedert das Krankheitsbild der „Neurodermitis” in drei Untergruppen. Sie treten der Reihe nach auf und können als aufeinander folgende Entwicklungsstadien angesehen werden. Zu Beginn überwiegt die Blut-Hitze. Der Endzustand eines lange Zeit bestehenden Prozesses ist in vielen Fällen ein Blut-Mangel.

altNeurodermitis mit starkem Juckreiz

Bei Blut-Hitze Neurodermitis ist die Haut massiv gerötet, entzündet und der Juckreiz stark ausgeprägt. Oft entwickelt sich diese Form rasch, die Symptome treten schnell und intensiv auf und können über den gesamten Körper verteilt sein, wobei nicht nur die für Neurodermitis typischen Regionen betroffen sind. Charakteristisch ist das Hautbild: kleine silbrige Schuppen, die auf einer sehr trockenen, roten Haut gefunden werden. Zusätzlich bestehen häufig Durstgefühl sowie Unruhezustände. Der Zungenkörper ist gerötet, manches Mal zeigen sich rote Papillen, die über den ganzen Zungenkörper verteilt sind. Der Zungenbelag ist dünn, trocken. Der Puls ist allgemein: schnell (shuo), dünn (xi), leer (xu); im Bereich des Herzens: oberflächlich (fu) und schnell (shuo).

Da in der TCM sowohl Akupunkturpunkte als auch chinesische Kräuter individuell an den einzelnen Patienten angepasst werden, soll lediglich auf diätetische Empfehlungen eingegangen werden. Zu meiden sind thermisch warme oder heiße Nahrungsmittel sowie solche mit scharfem Geschmack. Dazu gehören beispielsweise Gewürze wie Pfeffer, Chili, Curry, Ingwer, Zwiebel, Knoblauch. Weiterhin Alkohol, da dieser scharf ist (Ausnahme: Bier - bitter!), Schalen- und Krustentiere sowie Nahrungsmittel, die zur Konservierung geschwefelt wurden, z. B. Trockenfrüchte.

Empfehlungen: Thermisch kühle oder kalte Nahrungsmittel sowie der bittere Geschmack. Entsprechende Lebensmittel sind beispielsweise Salate, speziell Chicorée und Endivien, Sojaprodukte, grüner Tee und Mineralien jeglicher Art (wie Magnesium und Calcium), da sie thermisch kühl sind und somit juckreizlindernd wirken.

Feuchte-Hitze Neurodermitis

Diese Patienten besitzen häufig nässende Ausschläge. Das Sekret ist gelb, zähflüssig und geruchsintensiv. Die Haut weist keine massiven Entzündungen auf, die Beschwerden sind subakut und der Juckreiz mäßig stark ausgeprägt. Die betroffenen Körperregionen präsentieren die für Neurodermitis typischen Stellen im Bereich der Beugeseiten von Ellenbogen und Knie. Zusätzlich bestehen Schwere- und Müdigkeitsgefühl, übel riechende Stühle und trüber Urin. Die Zunge ist am Zungenkörper rot und geschwollen, der Zungenbelag gelb und feucht. Der Puls: gleitend (hua) und voll (shi).

Tipps zur Ernährung

Zu meiden sind Nahrungsmittel, die süß und scharf zugleich schmecken. Dazu zählt z. B. süßer Alkohol (Sekt, Liköre). Besonders negativ wirken sich Milchprodukte (Joghurt, Käse, Quark) aus. (Milch in gekochtem Zustand ist besser verträglich als ungekochte.) Außerdem sollte auf Schweinefleisch sowie Wurstwaren jeglicher Art (durch die zugefügten Gewürze, Bindemittel und Salze wird die Feuchte-Hitze massiv verstärkt) verzichtet werden; ebenso auf Tiefkühlkost, gegrillte und panierte Speisen sowie die Getreidearten Weizen und Dinkel, da diese aus Sicht der TCM stark befeuchtend wirken.

Empfehlenswert: Nahrungsmittel mit bitterem Geschmack wie Chicorée, Endivien, grüner und schwarzer Tee, Sojaprodukte, Sprossen sowie Nahrungsmittel, die nicht befeuchtend wirken und das Milz-Qi tonisieren. Günstige Getreidesorten sind Reis, Hirse und Gerste.

Blut-Mangel Neurodermitis

Sie manifestiert sich durch ein chronisches Ekzem mit vergröberter Hautstruktur. Die betroffenen Hautregionen sind nicht so intensiv gerötet wie bei den beiden anderen Formen und eher trocken. Der Juckreiz tritt auch an nicht betroffenen Hautstellen auf, besonders intensiv am Nachmittag und Abend. Die Patienten sind blass und im Allgemeinen müde und schreckhaft. Sie haben Konzentrationsprobleme und einen oberflächlichen Schlaf mit lebhaften Träumen. Oft besteht eine Neigung zu Tendovaginitis (Entzündung der Sehnenscheiden). An dieser Stelle sei angemerkt, dass Patienten, die unter einer Blut-Mangel Neurodermitis leiden, immer wieder Schübe, die durch Feuchte-Hitze oder Blut-Hitze Symptome gekennzeichnet sind, aufweisen können. Anzeichen: Der Zungenkörper ist zart, blass, der Zungenbelag dünn, trocken. Der Puls ist allgemein dünn (xi), leer (xu).

Tipps zur Ernährung

Zu meiden sind scharfe Nahrungsmittel (verletzen das Blut).

Stattdessen empfehlenswert: Qi und Blut aufbauende Nahrungsmittel! Dazu zählen Kürbis, Karotten, Datteln, schwarzer Sesam, Pinienkerne, Wurzelgemüse und auch Fleisch. Denn es ist leichter, einen Blut-Mangel durch Fisch, Geflügel und Rindfleisch auszugleichen, als diesen mit vegetarischer Kost zu behandeln. Wenn Nahrungsmittel mit Rotwein zubereitet werden, wird die Blut aufbauende Wirkung verstärkt. Zusätzlich empfiehlt sich gegen Hauttrockenheit das Einmassieren von Leinöl oder Sesamöl. Diese Öle nähren die Haut, ohne die Hautoberfläche zu „ersticken”.

Die Neurodermitis lässt sich mit Methoden der TCM gut behandeln; wobei die Therapie umso mehr Erfolg verspricht, je jünger der Patient zum Zeitpunkt der Erstmanifestation der Erkrankung ist und je kürzer die Leidensgeschichte gewährt hat.

Dr. med. Florian Ploberger

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