MigräneDer Schmerz im KopfLange galt eine Migräne als zu durchleidendes Übel. Heute wissen wir mehr über die Kopfschmerzattacken und können ihnen vorbeugen. Was hilft, den nächsten Anfall abzuwenden, lesen Sie hier. In Deutschland leiden acht Millionen Menschen an Migräne – das schätzt die Selbsthilfevereinigung Migräneliga e. V. Im Durchschnitt haben Migräniker zweimal im Monat eine Kopfschmerzattacke, die mehrere Stunden oder auch Tage anhalten kann. Oft gehören pulsierende oder hämmernde Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und häufig auch Sinnesstörungen zur Migräne dazu.
Die intensiven Schmerzen schränken das Leben der Betroffenen stark ein. Dennoch suchen viele keine professionelle Hilfe. Sie sind der Meinung, dass sich bei Migräne nicht viel machen lasse. Doch das stimmt so nicht. Heute wissen Ärzte und Schmerztherapeuten viel mehr darüber, was im Körper der Patienten passiert – und können demzufolge besser einwirken. Das passiert bei Migräne im GehirnEs hat sich herausgestellt, dass das Gehirn von Migränikern leistungsstärker und reizempfindlicher ist als das der meisten Menschen. Weil es so aktiv ist, hat es einen hohen Energieverbrauch. Wird diese Energie jedoch nicht kontinuierlich zugeführt und kommen zusätzliche Reize wie Stress oder eine Änderung der Hormonlage ins Spiel, wird das Gehirn innerhalb kürzester Zeit von erregenden Nervenbotenstoffen überschwemmt. Dies führt zu Schwellungen der Blutgefäße im Gehirn und Druck auf die Nerven. Durch die Überreaktion des Gehirns fallen zudem körpereigene Regulationsvorgänge aus. Die Folge: Übelkeit und verstärkte Sinneseindrücke. Das heißt, Betroffene sollten vor allem darauf achten, stets genügend Energie zuzuführen. Denn das Auf und Ab des Blutzuckerspiegels bereitet der Migräne einen idealen Nährboden. Die Energielieferanten Zucker und Schokolade sind dafür nicht geeignet, denn ihre Wirkung verpufft sehr schnell und es kommt leicht zu einer Unterzuckerung. Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Kartoffeln, Müsli, Hülsenfrüchten und Gemüse sind die bessere Wahl. Sie werden langsamer abgebaut und versorgen den Körper kontinuierlicher mit Energie. Zusätzlich liefern sie reichlich Vitamine, Mineralstoffe und Faserstoffe. Es empfiehlt sich außerdem, die Nahrung auf etwa fünf kleinere Mahlzeiten am Tag zu verteilen. Über 200 Auslöser für Migräne Über 200 verschiedene Migräne-Auslöser haben Ärzte mittlerweile entdeckt. Die gilt es bei jedem Patienten einzeln zu identifizieren. Das reicht von beruflicher Überlastung oder Beziehungsproblemen bis hin zu äußeren Faktoren wie Wetterumschwüngen, strapaziösen Reisen oder Sauerstoffmangel. Auch ein plötzlicher Stressabfall am Wochenende oder im Urlaub kann eine Migräne „triggern”, das heißt auslösen. Der Körper reagiert damit auf die Unterbrechung der täglichen Routine. Dazu reicht schon ein andersartigen Schlaf-Wach-Rhythmus oder die fehlende Tasse Kaffee am Morgen.
„Ein Teufelskreis entsteht”, erklärt Dr. med. Ulrich Schauer, Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilkunde an der Migräneklinik Königstein. „Unter der Woche steht der Patient dauerhaft unter Anspannung, am Wochenende will er sich erholen. Diese Erwartungshaltung und damit einhergehende Angst vor einer Attacke tragen zusätzlich zur Anspannung bei.” Der Schmerztherapeut empfiehlt Betroffenen, stets einen Migränekalender zu führen. So kann jeder selbst seine individuellen Trigger identifiziert und langfristig vermeiden. Schwieriger hingegen wird es, wenn die Migräne hormonell bedingt ist. Gerade bei vielen Frauen ist das der Fall. Jede zehnte Patientin erleidet ausschließlich vor oder während der Menstruation Kopfschmerzattacken. Hormonell bedingte Migräneattacken sind meist intensiver und bedürfen häufiger einer medikamentösen Behandlung mit speziellen Schmerzmitteln. Bei schweren Attacken helfen verschreibungspflichtige Medikamente, die nicht nur Schmerz, sondern auch Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit bekämpfen. Doch bei häufiger Einnahme ist Vorsicht geboten: Der Körper gewöhnt sich an die Medikamente. Je öfter sie genommen werden, desto länger und stärker gestalten sich die Anfälle. Eine gute Prophylaxe ist bestes Mittel gegen MigräneEine schmerzfreie Zukunft erzielen die meisten Migränepatienten weniger durch Medikamente als durch eine gute Prophylaxe. Denn die Gefahr eine Migräneattacke zu erleiden, reduziert sich bereits deutlich bei Einhaltung regelmäßiger Mahlzeiten und eines gleichmäßigen Tagesablaufs mit genügend Schlaf und Platz für persönliche Freiräume. Auch Ausdauersport oder gezielte Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Biofeedback-Training helfen, die Durchblutung des Gehirns zu beeinflussen. Genau wie die tägliche Einnahme von hochpotentem Magnesium und Vitamin B2, die auf natürliche Weise zur Erweiterung der Hirngefäße beitragen. Bevor Sie als Migräniker zu Medikamenten greifen, sollten Sie also erst einmal ihren Lebensstil unter die Lupe nehmen. Anne-Ev Ustorf
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