Allergien vorbeugen / Interview

Gesunde Kost für die Kleinsten

Früher hieß es: Vermeiden Sie alles, was zu einer Allergie führen könnte. Doch das stellte sich als übertrieben heraus. Denn der Verzicht auf allergene Lebensmittel bringt nicht den erhofften Schutz. Diplom-Ökotrophologin Dr. Imke Reese kennt die neuen Empfehlungen.

altDie Meldungen kamen für viele überraschend: Es wird empfohlen, die Phase des Vollstillens zu verkürzen. Jetzt soll feste Kost bereits im vierten Monat zugefüttert werden. Warum dieser Sinneswandel?

Gestillt werden soll schon sechs Monate oder auch länger. Es geht ausschließlich um das Vollstillen ohne jegliche Zufütterung. Stillen wirkt präventiv. Da bestehen keine Zweifel. Dennoch ist es offenbar sinnvoll, den Körper zum richtigen Zeitpunkt in Kontakt mit seiner Umwelt zu bringen. Nur durch dieses Kennenlernen kann der junge Organismus Toleranz lernen. Und das ist ja das eigentliche Ziel: Toleranzentwicklung fördern.

Wie lauten die aktuellen Empfehlungen genau?

Egal, ob Risikokind oder nicht – nach dem vierten Monat kann es losgehen mit der Beikost. Klassisch fängt das mit ein paar Löffeln Gemüsebrei an. Lange hat man gedacht, je später der Körper mit häufigen Allergenen in Kontakt kommt, desto besser. Nach heutigem Wissensstand sieht es eher so aus, dass es ein „zu spät” geben könnte.

Haben die neuen Erkenntnisse Einfluss auf die Stillzeit? Sollte die Mutter bereits während der Stillzeit bewusst allergene Lebensmittel verzehren?

Allergenmeidung ist „out”. Eine vielfältige Ernährung aus möglichst allen Lebensmittelgruppen eignet sich am besten, um allergische Reaktionen zu verhindern. Ein gezielter Verzehr ist vor allem für Fisch sinnvoll. Dieser sollte ein- bis zweimal pro Woche gegessen werden – allerdings möglichst schadstoffarme Sorten, um Mutter und Kind nicht unnötig zu belasten. Neben einer vielfältigen Ernährung ist offenbar auch die frische Zubereitung wichtig, wie beispielsweise in der mediterranen Küche.

Ändern sich die Maßnahmen, wenn in der Familie bereits Allergien vorhanden sind?

Auch Kinder, die bereits eine allergische Erkrankung haben, sollten ihr Immunsystem weiter in Richtung Toleranz fördern. Allerdings gilt das nicht in Bezug auf die Auslöser, die allergische Reaktionen hervorrufen. Diese sollten konsequent gemieden werden.

Was kann man all denen sagen, die ihr Kind konsequent nach den „alten” Empfehlungen gestillt und versorgt haben. Haben diese Kinder nun ein höheres Allergierisiko?

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob in der Vergangenheit alles richtig gemacht wurde. Das führt nur zu einem Schuldgefühl, was vollkommen fehl am Platz ist. Die Erkenntnis, dass Toleranzentwicklung auch nach dem Säuglingsalter wichtig ist, steht heute im Vordergrund. Hinzu kommt das Bemühen, den Körper in diesem Sinne so gut wie möglich zu unterstützen. Das kann helfen, viele ungerechtfertigte Maßnahmen fallen zu lassen. Die neuen Empfehlungen sollen Entlastung schaffen, nicht neuen Druck aufbauen.

Mehr zum Thema erfahren Sie in unseren Ratgebern „Schwangerschaft und Stillzeit” sowie „Säuglinge und Kleinkinder” (PDF-Download)

 

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