Schlafstörungen

Zur Ruhe kommen in der Nacht

 Jeder Dritte in Deutschland kann nicht gut ein- oder durchschlafen, Tendenz steigend. Spürbare Folgen am nächsten Tag: Erschöpfung, Reizbarkeit, schlechtes Konzentrationsvermögen. Und das Risiko, eine Herzerkrankung oder Depression zu entwickeln.

Schlafstörungen können ein Hinweis auf eine ernste Erkrankung sein, daher ist es wichtig, solche Ursachen vom Hausarzt abklären zu lassen. Wenn keine eindeutige medizinische Ursache zu finden ist, sollten zunächst äußere Störfaktoren beseitigt werden.

Bestandsaufnahme per Schlafprotokoll

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Wenn alle gängigen Tipps und Mittel nicht mehr helfen, ist Ursachenforschung angezeigt; sie sollte vor allem auch den psychosomatischen Hintergrund beleuchten. Im ersten Schritt der Bestandsaufnahme hilft vielen ein Schlafprotokoll über ca. zwei Wochen. Darin können Betroffene festhalten, wann sie nicht ein- oder durchschlafen, wann genau sie während der Nacht wach liegen, wie sie am Wochenende/im Urlaub schlafen etc.

Das Protokoll kann einen Hinweis auf mögliche seelische Belastungen geben. So wird dem einen deutlich, dass er zwar schon ein Leben lang einen eher schlechten Schlaf hatte, besonders aber nach Auseinandersetzungen mit seinem Partner – auch wenn diese bereits eine Woche zurückliegen. Beim anderen sind es die Teambesprechungen in der Firma am Montagmorgen. Derartige Zusammenhänge zu erkennen, hilft oft schon ein Stück weiter. Offen bleibt aber, warum schlafe ich nach dem Streit mit dem Partner oder vor dem Geschäftsmeeting schlecht?

Folgende Fragen können dazu dienen, die dahinterstehende Grundthematik zu erkennen:

  • Fällt es mir generell schwer, die Kontrolle abzugeben?
  • In welchen Situationen im Alltag kann ich nicht loslassen?
  • Wie steht es um mein Lebens-/Grundvertrauen?
  • Habe ich Angst vor dem Verlassenwerden?
  • Wie denke ich über das Thema Tod? Habe ich mich überhaupt schon einmal damit auseinandergesetzt?

Der Schlaf wird als der „kleine Bruder des Todes” bezeichnet, denn auch hier taucht der Geist in andere Bewusstseinszustände ab. Es geht darum, loslassen zu können, darauf zu vertrauen, dass eine höhere Macht sich unserer annimmt. Im Moment des Ein- oder Durchschlafens wird die Angst vor einem Kontrollverlust besonders deutlich. Die Beschäftigung mit der Endlichkeit des eigenen Lebens und die Entwicklung eines Gott- oder/und Grundvertrauens erleben viele Schlafgestörte deshalb häufig als hilfreich. Hier birgt die Schlafstörung somit heilendes Entwicklungspotenzial.

Schutz und Geborgenheit

Hinter den Schlafstörungen kann außerdem eine gewisse Wehr- und Schutzlosigkeit stehen, die tagsüber nicht bewusst ist. Oftmals sind sogar Menschen, die im Alltag besonders patent und lebenstauglich erscheinen, von Schlafstörungen betroffen. Im Dunkel der Nacht sieht die Situation anders aus und viele finden in beschützender Gegenwart eines vertrauten Menschen zur ersehnten Nachtruhe.

Es geht in diesem Fall häufig um den innersten Anteil der Seele, den kindlichen, schutzbedürftigen Part, der eine besondere Hinwendung benötigt. Der erwachsene Anteil in uns kann modulierend eingreifen und das Kindliche sozusagen in den Arm nehmen. So wie man kleine Kinder vor dem Einschlafen beruhigt, ihnen ein Lied vorsingt oder mit ihnen betet, können wir im übertragenen Sinne unseren eigenen kindlichen Anteil versorgen, bevor wir uns dem Schlaf überlassen. Eine derart veränderte Sicht- und Handlungsweise will allerdings geübt werden.

Das sorgt für eine erholsame Nachtruhe:

  • Eine gute Matratze, eine nicht zu warme Bettdecke und ein geeignetes Kissen
  • Raumtemperatur von etwa 18 Grad
  • Keine großen Mahlzeiten nach 18 Uhr und vor allem keine Rohkost.
  • Günstig dagegen: warme Milch mit Honig. Sie enthält Tryptophan, eine Vorstufe des im Gehirn gebildeten Schlafhormons Melatonin
  • Verzicht auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, aber auch grünen Tee ab ca. 16 Uhr (je nach Empfindlichkeit auch generell)
  • Kräutertees mit Hopfen, Melisse, Baldrian und Lavendel; Kräuterzubereitungen als Tinktur oder in Drageeform sind bei leichteren Schlafstörungen sehr wirkungsvoll (jedoch erst etwa eine Stunde vor dem Zubettgehen nehmen!)
  • Ein abendlicher Spaziergang von einer halben Stunde. Damit der Körper in der Nacht richtig entspannen kann, kleinere Bewegungseinheiten, möglichst vor 18 Uhr, z. B. an drei bis vier Tagen in der Woche ein 30-minütiges Walking oder Schwimmen einplanen.
  • Für Entspannungstechniken, wie z. B. Autogenes Training oder Meditation (am besten unter professioneller Anleitung erlernen), sollte man sich täglich etwa 20 Minuten Zeit nehmen, um diese dann bei nächtlichem Wachliegen anwenden zu können.

Ein weiterer Aspekt, von dem viele Betroffene berichten, ist ein permanentes Grübeln, das vor allem während der Nachtstunden auftritt und am Schlafen hindert. In vielen Fällen ist es zu einem Dauerhindernis geworden. Die Nacht ist still, dunkel, kein Telefon oder Türklingeln zu hören. In der so erzwungenen Stille tritt der Tagesablauf in den Hintergrund, stattdessen ergreift Verdrängtes, scheinbar längst Vergessenes Besitz von den Gedanken.

Häufig berichten Schlafgestörte über immer wiederkehrende Gedankenmuster wie die Sorge um die Kinder, die krisenbelastete Ehe, die eigene Gesundheit oder die berufliche Zukunft. Das Vertrauen ins Leben und die Zuversicht, dass sich die Dinge zur rechten Zeit entwickeln werden, scheinen blockiert oder gar zerstört.

Es kann nützlich sein, das Grübelphänomen namentlich zu benennen, es beispielsweise in einen „Grübler” umzutaufen. Mit diesem lässt sich sprechen, man kann ihn fragen, was er denn immer wieder will zu nachtschlafender Zeit, tagein, tagaus. So erfährt der durch Eheprobleme Grübelnde, dass er eigentlich ausbrechen möchte oder zumindest eine klare Kursänderung fordern muss, um auf Dauer nicht ernsthaft seelisch zu erkranken.

altEin anderer, der vor der allmontaglichen Sitzung nicht schläft, sollte seine Position gegenüber dem Chef im Speziellen oder aber der Firma und gegenüber Autoritäten im Allgemeinen möglicherweise einmal überdenken. Kann er sich nicht durchsetzen? Scheut er eine Konfrontation?

Nächtliches Dauergrübeln ist nicht nur störend, sondern dient unter Umständen als Wegweiser, der uns auf bessere Pfade lenken will. Bei der Aufarbeitung der Ursachen kann es vorkommen, dass derart belastende Gedanken und Inhalte auftauchen, die eine Begleitung, zum Beispiel durch einen Psychotherapeuten, erforderlich machen.

Bei lang anhaltenden Schlafstörungen sollte man nicht zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Betroffene erleben im Nachhinein nicht selten, dass die zunächst so lästig empfundene Schlafstörung auf den zweiten Blick ein wichtiges Signal in ihrem Leben war, das zu einer längst fälligen Änderung führte und sich in der wieder gewonnenen und ersehnten Nachtruhe auszahlt.

Dr. Isabel Bloss

 

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