Nahrungsergänzungsmittel / Interview

Vorbeugung gegen Prostata-Krebs

Dr. Walter Merkle ist Fachbereichsleiter Urologie an der Stiftung Deutsche Klinik für Diagnostik in Wiesbaden. Bernd Küllenberg sprach mit dem Mediziner über die Möglichkeit einer Krebserkrankung durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln vorzubeugen.

altWoran kann Mann erkennen, ob er ein erhöhtes genetisches Risiko für Prostatakrebs hat?

Zum einen spielt die männliche Verwandtschaftslinie eine wichtige Rolle, vor allem der Vater und die Brüder. Leidet der Vater oder ein Bruder an Prostatakrebs, so ist das eigene Risiko etwa vierfach erhöht; sind sowohl Vater als auch ein Bruder betroffen, steigt das Risiko noch weiter. Aber auch die Brustkrebsgene in der weiblichen Verwandtschaft erhöhen das genetische Risiko.

Welche allgemeinen Empfehlungen bezüglich des Lebensstiles würden Sie Männern geben?

Aus zahlreichen epidemiologischen Studien lässt sich ableiten, dass folgende Maßnahmen eine gewisse Schutzwirkung mit sich bringen:

  • der Verzehr von fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag
  • ein nicht zu häufiger Verzehr von Fleischwaren
  • Mäßigung auch beim Alkoholkonsum
  • moderater Ausdauersport (zwischen ein und drei Stunden pro Woche) sowie
  • nicht rauchen.

Es gibt zahlreiche Publikationen über spezielle Schutzstoffe. Welche Substanzen sind wissenschaftlich solide untersucht?

altHier müssen zunächst die chemisch wirksamen Stoffe von den Naturstoffen unterschieden werden. Bei den chemischen Substanzen bewirken die 5-alpha-Reduktasehemmer eine Risikosenkung um 25 Prozent. Für Leser des ReformhausKurier sind vermutlich die Naturstoffe von besonderem Interesse, und hier halte ich die folgenden Substanzen für sinnvoll und gut erforscht: Lycopin in Tomatenprodukten, die Isoflavone und Lignane in Soja und Leinsamen, Vitamin D, Vitamin E und das Selen.

Wie bewerten Sie die Ergebnisse der Select-Studie des US-National Cancer Institute, in der die präventiven Wirkungen von Vitamin E und Selen bei Prostatakrebs erforscht werden sollten und die aufgrund risikoerhöhender Wirkungen abgebrochen wurde?

Hierzu habe ich einen Übersichtsartikel veröffentlicht, in dem ich mögliche Ursachen für die negativen Ergebnisse der Studie erörtert habe, wie zum Beispiel die Nichtberücksichtigung der gleichzeitigen Vitamin-C-Aufnahme der Teilnehmer. Vitamin C kann die Wirkungen von Selen stark beeinträchtigen.

Auch die Frage der individuellen Selenaufnahme halte ich für wichtig. Beispielsweise schwanken die Selengehalte der Böden in Deutschland zwischen einem Minimum von 74 Mikrogramm pro Kilogramm in Bayern und einem Maximum von 194 Mikrogramm pro Kilogramm in Schleswig-Holstein.

In der Select-Studie wurde die jeweilige Versorgung der Teilnehmer nicht erfasst, obwohl die USA relativ reichlich mit Nahrungsmittel-Selen versorgt sind. Alle Probanden erhielten die gleiche Selenmenge als Nahrungsergänzung. Dadurch entstand ein Bias (statistischer Messfehler), der die Untersuchungsergebnisse wohl verfälscht hat. Außerdem habe ich der Studie eine Vielzahl anderer Studien gegenübergestellt, die zu einer sehr positiven Bewertung der genannten Stoffe kommen.

Welche abschließenden Tipps können Sie unseren Lesern noch geben?

Für die Praxis wichtig ist, dass Wirkstoffkombinationen aufgrund mehrfacher molekularbiologischer Wirkmechanismen Monopräparaten überlegen zu sein scheinen.

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