Kraft der Kräuter / Interview

Für alle Fälle ist ein Kraut gewachsen

„Allein die Dosis macht’s, dass ein Kraut (k)ein Gift sei!” – Waltraud Witteler, Pharmazeutin und ehemalige Inhaberin einer Apotheke, widmet sich inzwischen vor allem dem Bestimmen von Pflanzen.

altWorin besteht der Unterschied zwischen den klassischen Küchenkräutern und Wildkräutern?

Manchmal ist der Unterschied nur sehr gering, zum Beispiel beim Oregano oder Bärlauch. Durch Kreuzungen und andere gärtnerische Maßnahmen wurden und werden die Küchenkräuter so weitergezüchtet, dass sie unempfindlicher gegenüber dem Standort sind. Das Gedeihen von Wildkräutern hängt sehr von Bodenbeschaffenheit, Klima, manchmal sogar der Meereshöhe usw. ab.

Außerdem wird beispielsweise versucht, das Aroma bei Würzkräutern besonders herauszuheben, weshalb der Thymian nicht aus unserem heimischen Feldthymian, sondern aus den mediterranen Arten gezüchtet wurde.

Bitterstoffe, die in fast allen Wildpflanzen enthalten sind, werden weitgehend eliminiert. Auch das Verhalten der Verbraucher spielt eine Rolle. So kommt es, dass der Bärlauch einige hundert Jahre im Dornröschenschlaf verweilte, bis er vor etwa 30 Jahren wiederentdeckt wurde.

Worauf ist beim Sammeln in freier Natur zu achten?

Auf alle Fälle sind die Regeln des Natur- und Artenschutzes zu beachten. Ganz wichtig ist, ähnlich wie beim Pilzsammeln, nur das abzupflücken, was Sie ganz sicher kennen. Denn auch bei uns wachsen tödlich giftige Pflanzen wie der Eisen- und der Fingerhut, die Herbstzeitlose, der Wasserschierling und viele mehr!

In einem Kräuterseminar zum Beispiel erfahren Sie mehr über den Umgang mit wild wachsenden Kräutern. Nicht zu vergessen sind die Umweltgifte. Pflanzen können aus den Autoabgasen Schwermetalle aufnehmen und speichern, daher nicht von Straßenrändern sammeln. Landwirtschaftliche Flächen können mit Pestiziden behandelt sein. Mit etwas Übung lässt sich erkennen, ob Unkrautvernichter etc. ausgebracht wurden.

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Wie viele Kräuter sollten verwendet werden, damit ein Gesundheitseffekt zu verspüren ist?

Kräuter in der Küche ersetzen keine Medikation. Sie können damit aber Ihren Körper fitter machen, um vielerlei Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen. Und so manche Therapie lässt sich sehr gut unterstützen, auch Beschwerden können abgemildert werden.

Da aber die exakte Menge an Inhaltsstoffen, die die gesammelten Pflanzen haben, unbekannt ist, weil dies oft starken Schwankungen unterliegt, sind keine Angaben möglich, wie stark der Gesundheitseffekt ist.

Sie müssen sich ganz besonders in der Wildpflanzenküche stets den Spruch vergegenwärtigen: „Allzu viel ist ungesund” oder wie Paracelsus sagte: „Allein die Dosis macht’s, dass ein Kraut (k)ein Gift sei.” Gerade Gewürze haben oftmals nicht nur einen kräftigen Geschmack, sondern auch eine recht starke Wirkung und können bei Überdosierung teils schwere Vergiftungen hervorrufen, etwa Waldmeister oder Safran.

 

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