Kräuter

Heilkraft aus der Natur

Ein Kräutergärtchen gedeiht auf der Fensterbank, im Blumenkübel und im Beet. Schön zu wissen: Das junge Grün hat so manch heilende Wirkung.

„Manchmal träume ich, dass ich nackt durch ein Feld voller Basilikum laufe. Ab und zu streife ich ein paar Rosmarinsträucher und werde von ihnen gepeitscht. Das ist aber kein Albtraum. Ganz im Gegenteil: Er gibt mir ein losgelöstes Gefühl …” Hoppla! Wer sagt das? Kein Geringerer als der englische Starkoch Jamie Oliver.

Er hat sich im vergangenen Jahr gegenüber dem „Zeit-Magazin” geoutet. Und eins steht fest: Der Mann lebt seinen Traum. Allerdings nur im übertragenen Sinn, wie anzunehmen ist (wo sollten in Britannien auch üppige Basilikumfelder gedeihen?). Im realen Leben von Jamie Oliver stehen die verführerischen Kräuter im Zentrum seiner Kochkünste.

altFür Gaumen und Gesundheit


Die Verwendung der würzigen Grünpflanzen ist im Grunde nichts Neues. Sie hat eine sehr lange Geschichte. Schon in der 3000 Jahre alten Traditionellen Chinesischen Medizin setzte man in der Küche und bei der Therapie – was vielfach ein und dasselbe ist – auf die Kraft der Kräuter.

Heilkundige in Europa standen den Chinesen nicht nach. Lange bevor die moderne Pharmaindustrie erfunden war, brauten Mönche und weise Frauen Tränke und Tees, um die Gesundheit ihrer Mitmenschen zu fördern. Was das alles mit der hohen Ess-Kunst zu tun hat?

Ein altes Sprichwort sagt: „Ein guter Koch ist auch ein guter Arzt!” Er schafft die Voraussetzungen für ein perfektes Essen: appetitliches Aussehen und besten Geschmack. Und die Träger solcher Geschmacksstoffe sind eben in erster Linie Kräuter und Gewürze. Doch sie schmecken nicht nur gut – mit der Kräuter-Dreingabe lässt sich zudem die Bekömmlichkeit des Essens steigern.

Basilikum & Co. fördern die Durchblutung der Verdauungsorgane, locken Magen- und Gallensaft, erleichtern die Fettverdauung und wirken gegen Blähungen. Entwässernde und beruhigende Eigenschaften werden ihnen ebenso wie desinfizierende und antibakterielle Wirkungen nachgesagt. Der Übergang zwischen aromatischer Küchenzutat und Heilpflanze ist fließend.

Und noch ein Pluspunkt für die reichliche Verwendung von Kräutern: Sie sorgen ähnlich wie ein frisch aufgegossener Kräutertee für mehr basische Elemente im Körper. Was wiederum zu einer Harmonisierung des Säure-Basen-Haushalts beiträgt.

„Auch wenn natürlich nicht jeder übersäuert ist, so nimmt die Wahrscheinlichkeit dafür bei unseren gegenwärtigen Ernährungsgewohnheiten, insbesondere mit zunehmendem Alter, deutlich zu”, so Professor Jürgen Vormann vom Institut für Prävention und Ernährung in Ismaning.

altFür (fast) alles ist ein Kraut gewachsen – Im Überblick:

  • Bärlauch ist der kleine Bruder des Knoblauchs. Er wirkt antibakteriell und fäulniswidrig.

  • Basilikum stärkt den Magen und vertreibt Blähungen. Volkstümlich gegen nervöse Unruhe.

  • Borretsch soll die Stimmung heben. Appetitanregend und geschmacksverbessernd.


  • Dill wirkt mild harntreibend und fördert die Milchbildung bei Stillenden. Gegen Blähungen.


  • Estragon ist zur Anregung der Nierentätigkeit und zur Verbesserung der Verdauung bekannt.

  • Kerbel wird in der Volksmedizin als stoffwechselanregendes Mittel genutzt. 
Liebstöckel ist krampflösend und blähungstreibend. Bei Gärungen und Magenschwäche.


  • Majoran fördert den Gallefluss. Macht fette Gerichte bekömmlicher.


  • Melisse hilft bei nervösen Einschlafstörungen und wirkt krampflösend.


  • Petersilie regt die Nierentätigkeit an. Die Volksmedizin kennt sie als menstruationsförderndes Mittel.


  • Pfeffer wird in der TCM bei Durchfall, Brechreiz, Völlegefühl und Libidomangel eingesetzt.

  • Rosmarin gilt als kreislaufanregend und allgemein stärkend. Bei Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit. 


  • Salbei hilft als Gurgelmittel bei Hals- und Zahnfleischentzündungen. Bewährt gegen übermäßiges Schwitzen.


  • Schnittlauch tonisiert, d. h. stärkt laut TCM das Nieren-Yang, wirkt schweißtreibend und Blut-Stagnationen entgegen.


  • Thymian ist eine wichtige Arzneipflanze bei Husten. Hemmt Fäulniserreger im Magen-Darm-Trakt und löst Krämpfe. 


  • Wacholder wird häufig als Zutat von appetitanregenden, verdauungsfördernden Tonika verwendet. Außerdem entwässernd.

Die Frische-Küche


Zum Glück für uns haben die „modernen Wilden” wie Jamie Oliver, aber auch deutsche Küchenchefs von Eckart Witzigmann bis Vincent Klink, die Kräuterküche neu entdeckt. Vorbei die Zeiten, als nur Salz, Pfeffer und maximal noch die Muskatreibe im Gewürzregal standen und einzig ein paar fade Petersilienfetzchen die Schüssel mit den Salzkartoffeln garnierten.

Profis und Hobbyköche können heute aus einem riesigen Angebot schöpfen. Wenn nicht gerade frisches Grün von der Fensterbank zur Hand ist oder die Speisen eine exotische Note verlangen, bieten sich getrocknete Würzspezialitäten an. So sind allein im Reformhaus® rund 250 Gewürze in Bio-Qualität (z. B. von www.gewuerzmuehle-brecht.de ) erhältlich.

Neben den heimischen Vertretern wie Dill, Fenchel, Liebstöckel oder Petersilie auch Raritäten wie Schabzigerklee und Bockshornkleesaat. Aus dem Ausland kommen die Exoten rosa Pfeffer, Lemongras oder Galgantwurzel sowie verschiedenste Mischungen mit der Geschmacksvielfalt aus Südamerika, Nordafrika, Brasilien, Mexiko und Indien.

Doch damit nicht genug: Auch unsere Wiesen und Wälder bergen so manches Würzkraut. Damit zu kochen lohnt sich, weiß Waltraud Witteler (siehe Interview-Hinweis unten).

Kräuterklassiker Grüne Sauce


Lust auf Kräuter bekommen? Dann können wir „Grüne Sauce” empfehlen. Sie wird in Frankfurt am Main und Umgebung traditionell an Gründonnerstag zum ersten Mal im Jahr aufgetischt. Die siebenerlei frischen Kräuter für die „Grie Soß”, wie es hessisch korrekt heißt, sind – in Papier eingerollt – überall in der Region im Angebot.

Nach dem Einkauf muss es fix gehen:

  • Petersilie, Schnittlauch, Sauerampfer, Kresse, Borretsch, Kerbel, Pimpinelle
    putzen, waschen, trockenschleudern und mit einem Wiegemesser fein zerkleinern.
  • Je nach Rezept kommen unterschiedliche Zutaten hinzu. Die persönliche Geschmacksvorliebe der Autorin: zwei Becher Schmand, ein Klacks Mayonnaise, Salz, frischer Pfeffer, Senf und Zitrone.
  • Dazu Ofenkartoffeln und hart gekochte Eier servieren.

Tipp für alle Nicht-Hessen: Das Kräuter-Potpourri kann auch selbst zusammengestellt werden. Ein Grund mehr, die eigene Kräuter-Aufzucht zu forcieren. Und vielleicht beginnen auch Sie bald, von Basilikumfeldern zu träumen!

Doris Eschenauer

Lesen Sie auch „Die Kraft der Kräuter” – Interview mit Waltraut Witteler

 

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