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Urban Farming

Begrünte Städte

„Gärtnern hieß was Mutti tat / Gardening ist Avantgarde“ – so satirisch überspitzt reimt der „ZEIT“-online-Autor David Hugendick („Subversion auf dem Kompost“) über das moderne Städtegärtnern hierzulande. Sicher, beim Urban Farming oder Urban Gardening spielt auch der Zeitgeist mit, aber es ist keine Spielerei. Es ist vor allem Ausdruck für Teilhabe, Fairness und Nachhaltigkeit.

Mann und Frau bei GartenarbeitStadtgärtnern meint das Umwidmen von innerstädtischen Freiflächen – vom Brachland bis zum Hochhausdach – zu gemeinschaftlich bewirtschafteten landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die Aktiven sind hier allerdings nicht Eigentümer der Flächen. Und das ist ein wesentlicher Unterschied zur Kleingartenkultur.

Wurzeln des Urban Gardening

Das New York der 1970er Jahre des 20. Jahrhunderts gilt als Keimzelle des Urban Gardenings. Hier entstanden erste „community gardens“. Die Stadt war beinah pleite, Häuser standen leer, Flächen verwahrlosten. Es waren vor allem Hippies, die sich der Brachflächen als „Green Guerillas“ mit Hacke und Schaufel annahmen, den Müll wegräumten und gemeinsam Gärten anlegten. Solche Initiativen bestehen in den USA, wie übrigens auch in den Megastädten der Entwicklungs- und Schwellenländer, oft aus Not- oder Armutsprojekten, die das Überleben der Stadtbevölkerung sichern helfen. Denn es fehlt der unterstützende Sozialstaat.

Selbst versorgen aus grünen Oasen

Aus den USA schwappte die grüne Welle nach Europa, und damit auch in die deutschen Großstädte mit einem Schwerpunkt in Berlin. Es ist eine sehr gemischte Szene, und so vielfältig wie die Projekte und ihre Teilnehmer sind auch die damit verbundenen Ziele und Methoden. Und hier haben sie einen anderen Hintergrund: Es geht weniger um Linderung von Armut oder Not, sondern um Aufwertung städtischer Räume und das Gewinnen von Identität. Als Plattform für Beteiligung, Wissen und Erfahrungsaustausch dient hauptsächlich das Internet.

Wissenschaftlich betrachtet

Dr. Christa Müller, Soziologin und Expertin für Ökologische Ökonomie, hat intensiv geforscht zu nachhaltigen Lebensstilen und urbanen Gärten. In einem Interview (Deutschlandradio Wissen, 17.8.2011) sagt sie: „Urbanes Gärtnern machen Menschen, die sich selbst versorgen wollen mit Lebensmitteln, die Ernährungssouveränität erfahren wollen, die sich grüne Oasen erschaffen wollen, die mitten in der Stadt leben und die Natur hineinholen wollen und die die alte Trennung von Natur und Stadt nicht mehr nachvollziehen und auf den Kopf stellen. Es ist auch ein politischer Ansatz. Der vielfach privatisierte öffentliche Raum soll für die Community zurückerobert werden, als Treffpunkt, ohne gleich etwas kaufen zu müssen, auch als Raum für einen interkulturellen Austausch.“

Trend: Mobile Gärten

Manche Stadtgärtner setzen dabei auf mobile Gärten. Sie nutzen Blumenkübel, Säcke oder alte Badewannen, eben alles, wo hinein sich etwas pflanzen lässt (Beispiel: Prinzessinnengärten in Berlin). Andere pflanzen auf Brachflächen direkt in die Erde. Alles im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens, denn Urban Gardening bedeutet weniger Treibstoffverbrauch, weniger CO2-Ausstoß, weniger Transportkosten, weniger Lärm, weniger Staus und fördert darüber hinaus als Gegenentwurf zur Monokultur in der Agroindustrie die ökologische Vielfalt.

Stadtgärtnern hat großes Potenzial

Damit passt es gut zu den „Lifestyles of Health and Sustainability“ (LOHAS), den Lebensstilen für Gesundheit und Nachhaltigkeit, denen sich das Reformhaus® seit Jahrzehnten verbunden fühlt. Die Zukunftsvision sieht so aus: Urban Farming, also der rein auf den Nutzpflanzenanteil ausgerichtete Zweig des Stadtgärtnerns, könnte die Welternährung revolutionieren, vor allem aber die Versorgung mit frischen Lebensmitteln in den weiter wachsenden Megastädten des Südens sicherstellen, in denen auch der Anteil der Armen weiter ansteigt. Dazu gehört auch der Plan, sogenannte Foodscraper, riesige begehbare vertikale Gewächshäuser, zu errichten.

Und bei uns? Für Expertin Christa Müller ist klar: „Die Begrünung unserer Städte steht unmittelbar bevor.“

Thomas Götemann

Interessante Links zum Thema:

 

Cover Prinzessinnengärten

Buchtipp:

Nomadisch Grün: „Prinzessinengärten – anders gärtnern in der Stadt“, Dumont Buchverlag, Köln.

 

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