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Duftendes Schmuckstück

Die Kräuterspirale

Eine eigene Kräuterspirale steht bei Hobbygärtnerinnen und -gärtnern auf der Wunschliste ganz oben. Denn das in Steinen gefasste Beet bietet eine schöne Möglichkeit, Kräuter im eigenen Garten anzubauen.

altDie bei uns heute angebauten Heil- und Würzkräuter stammen aus verschiedenen Klimazonen und wachsen dort an unterschiedlichen Standorten. Deshalb stellen sie auch jeweils ganz andere Ansprüche an Temperatur, Feuchtigkeit, Licht und Boden.

Die wichtigsten Infos

Wer über eine Kräuterspirale nachdenkt, sollte mindestens sechs Quadratmeter Grundfläche an einem sonnigen, windgeschützten Platz zur Verfügung haben und ein bisschen Zeit einplanen. Man kann sie, je nach Anzahl der Helfer, in zwei bis fünf Tagen anlegen. Die günstigste Jahreszeit dafür ist das Frühjahr.

Die klassischen 15 Spiralenpflanzen sind:

  • Rosmarin
  • Salbei
  • Lavendel
  • Thymian
  • Oregano
  • Rucola
  • Ysop
  • Estragon
  • Pimpinelle
  • Petersilie
  • Schnittlauch
  • Sauerampfer
  • Zitronenmelisse
  • Minze
  • Brunnenkresse

Kräuter-Bestellungen sind zum Beispiel unter www.ruehlemanns.de möglich. Hier finden Sie neben einer Vielzahl an Pflanzen auch umfangreiche Informationen.

Während zum Beispiel viele unserer heimischen Kräuter einen feuchten, nährstoffreichen Boden in schattiger Lage bevorzugen, gedeihen Pflanzen aus dem Mittelmeerraum am besten auf trockenen, nährstoffarmen und sonnigen Hängen. Kein Wunder, denn aus ihrer Heimat am Mittelmeer kennen sie ein kurzes, regenreiches Frühjahr und einen heißen, trockenen Sommer. Sie zeigen kein üppiges Blätterwachstum, sondern nutzen die Wärme zur vollen Entfaltung ihrer ätherischen Öle, Duft- und Aromastoffe.

Die Kräuterspirale hilft, die verschiedenen Ansprüche der Pflanzen optimal zu erfüllen. In einer Art Maisonette-Wohnung schafft sie artgerechte Wachstumsbedingungen für Pflanzen mit den verschiedenen Standortansprüchen und bietet jedem Untermieter den passenden Platz. Durch den dreidimensionalen Aufbau und das Befüllen mit Kies, Schotter oder Bauschutt, Sand, Kompost und Gartenerde entstehen jeweils die passenden Standortverhältnisse. Die Ausrichtung an der Nord-Süd-Achse hat sich bewährt und bietet den Kräutern so gute Wachstumsbedingungen. Auch sind empfindliche Pflanzen dadurch windgeschützt.

Natürlicher Wärmespeicher

Die in die Spirale integrierten Steine schaffen ein ausgeglichenes Kleinklima, speichern tagsüber die Sonnenwärme und geben diese dann abends und nachts allmählich an den Boden ab. Das Wasser im kleinen Teich am südlich gelegenen Fuß der Kräuterspirale reflektiert die Sonnenstrahlen und verstärkt diesen Effekt. So können sogar leichte Nachtfröste abgefangen werden.

altDa der Kern der Kräuterspirale aus Kalkschotter (kostengünstige Alternative: kalkhaltiger Bauschutt aus Resten vom Hausbau) besteht, bleibt der obere Teil weitgehend trocken. Die Hohlräume im Schotter oder Schutt lassen das Wasser rasch abfließen, anhaftender Mörtel gibt Kalk an den Boden ab. All das fördert das Wachstum der Mittelmeerkräuter, die sich im oberen Teil der Spirale sichtlich wohl fühlen.

Während sie den ganzen Tag über Sonne bekommen, stehen die äußeren, unteren Bereiche der Spirale durch den wandernden Sonnenstand unterschiedlich im Schatten. Hinzu kommt, dass nach unten hin immer nährstoffhaltigere Erde eingefüllt wird und die Drainagewirkung dadurch nachlässt. Deshalb wachsen dort heimische Kräuter besonders üppig, zum Teich hin sogar Pflanzen wie die Brunnenkresse.

Als eigenständiger Mikrokosmos bietet die Kräuterspirale Natur pur. Genau abgestimmte Bodenverhältnisse, eine optimale Sonnenlage, umfassende Wärmespeicherung und gute Wasserführung sorgen dafür, dass die Kräuterpflanzen auf der Spirale besonders gut gedeihen. Mit ihrer geschwungenen, symbolträchtigen Form ist die Kräuterspirale außerdem ein echtes Schmuckstück für jeden Garten.

Durch den dreidimensionalen Aufbau werden die Pflanzen besonders wirkungsvoll in Szene gesetzt. Je nachdem, wo man sich rund um die Kräuterspirale gerade befindet, zeigt sich ein anderes, harmonisches Bild. Wegen des relativ geringen Platzbedarfs bietet sie die Möglichkeit, selbst auf kleinstem Raum mit der Selbstversorgung zu beginnen.

Doch nicht erst bei der Kräuterernte, sondern im gesamten Gartenjahr erfreut sie mit der Arten- und Formenvielfalt der verschiedenen Kräuterpflanzen, mit bizarren Blüten und aromatischen Düften. Rund um die Kräuterspirale können wir

  • säen
  • pflanzen
  • ernten
  • fühlen
  • schauen
  • riechen
  • hören
  • schmecken

Erfunden wurde das wertvolle Biotop von dem Australier Bill Mollison, der für sein Konzept der Permakultur 1981 den Alternativen Nobelpreis erhielt. Permakultur steht für einen „dauerhaften Land- und Gartenbau”, der eigenständige Ökosysteme schafft, deren möglichst vielgestaltige Elemente so optimal aufeinander abgestimmt sind, dass sie sich auch auf lange Sicht selbst erhalten können. Die Kräuterspirale ist ein echtes Kind der Permakultur – ein kleines, in sich geschlossenes System, das Pflanzen und Tieren die vielgestaltigsten Lebensbedingungen bietet, dem Menschen wenig Pflege abverlangt und doch reiche Ernte bringt.

Irmela Erckenbrecht

Lesetipp: „Wie baue ich eine Kräuterspirale? Leitfaden für die Gartenpraxis”, von Irmela Erckenbrecht, 155 Seiten, 9,90 Euro, pala Verlag

 

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