Kohlenhydrate

Was ist eigentlich… Low Carb?

Der Begriff „Low Carb“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „wenig Kohlenhydrate“ – Carb ist dabei die Abkürzung für „Carbohydrates“. Grundsätzlich wird bei einer kohlenhydratarmen Ernährung auf Lebensmittel wie Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln und süße Obstsorten wie Bananen oder Birnen verzichtet.

Frau isst frischen SalatDa nun weniger Kohlenhydrate gegessen werden, schüttet die Bauchspeicheldrüse auch deutlich weniger Insulin aus, das sonst nach einer kohlenhydratreicheren Mahlzeit den Blutzucker senkt. Dieser Prozess kommt dem Fettabbau zugute, denn Insulin gilt als Masthormon, weil es den Fettabbau in der Muskulatur hemmt und den Körper dazu anregt, Fett zu speichern.

Erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauf

 „Auch mit Low Carb lässt sich über einen Zeitraum von etwa sechs bis zwölf Monaten Gewicht reduzieren“, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE. Ob Low-Carb-Diäten auch eine erfolgreiche Stabilisierung des Gewichts über Jahre ermöglichen und wie sich der Verzicht von Kohlenhydraten mittel- und langfristig auf die Gesundheit auswirkt, ist laut Gahl wegen mangelnder Studien noch unklar. Gesundheitsrisiken sind also nicht ausgeschlossen.

Atkins-Diät – bekannt, aber bedenklich

Die wohl bekannteste und bedenklichste Low-Carb-Diät ist die Atkins-Diät, die der Kardiologe Robert Atkins in den 1970er Jahren entwickelt hatte. In der 14-tägigen Einstiegsphase sind höchstens 20 Gramm Kohlenhydrate pro Tag erlaubt. Zum Vergleich: Die DGE empfiehlt 230 Gramm für Frauen und 300 Gramm für Männer als tägliche Höchstmenge. Atkins’ Empfehlungen, fast ausschließlich fett- und eiweißhaltige Lebensmittel wie Fleisch, Käse und Wurst zu essen, stoßen bei Ärzten und Ernährungswissenschaftlern nach wie vor auf Kritik.

Der Grund: Die erhöhte Fettzufuhr wirkt sich negativ auf die Gefäße aus und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu viel Eiweiß kann außerdem für Menschen mit Nieren- und Gichterkrankungen problematisch sein, da diese durch zu viele Proteine verschlimmert werden. Dieses trifft auf alle Low-Carb-Diäten zu.

Dukan-Diät, LOGI und Co.

Auch die zurzeit im Trend liegende Dukan-Diät, benannt nach dem französischen Arzt Pierre Dukan, setzt auf das Low-Carb-Prinzip. In vier Phasen sollen Abnehmwillige Gewicht verlieren und es am Ende auch halten können. Dukan schwört dabei ebenfalls auf proteinreiche Lebensmittel, verzichtet jedoch auch auf Obst und Gemüse.

Geringe Blutzuckerschwankungen sind auch das Ziel der LOGI-Methode, der Montignac-Methode oder etwa der South-Beach-Diät.

Wichtig: eine ausgeglichene Energiebilanz

Die DGE sieht in Low Carb aber nicht den einzigen Schlüssel zum Abnehmerfolg und bleibt daher bei ihren Ernährungsempfehlungen. „Fürs Abnehmen ist eine ausgeglichene Energiebilanz mit ausreichend Bewegung ausschlaggebend“, sagt Antje Gahl. Nach dem Insulin-Trennkostprinzip solle der Blutzuckerspiegel abends durch den Verzehr von Kohlenhydraten wie Nudeln, Obst oder Süßigkeiten nicht unnötig belastet werden.

Ob letztendlich aber dieser Mechanismus fürs Abnehmen entscheidend ist, sei bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen, berichtet die Ernährungsexpertin. „Wichtig ist immer die gesamte Energiebilanz des Tages, die darüber entscheidet, ob jemand abnimmt oder nicht. Das Insulin allein kann es nicht sein“, stellt sie klar. Wer tagsüber wenig isst und am späten Abend eine Portion Nudeln verschlingt, kann trotz der Kohlenhydrate abnehmen – wenn er über den Tag insgesamt weniger Kalorien zu sich nimmt, als der Körper tatsächlich braucht.

Da Kohlenhydrate wichtige Energielieferanten sind, sollten sie laut der DGE auch zum täglichen Speiseplan gehören. Allerdings ist hierbei die Art der Zucker entscheidend: Komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Getreide und Hülsenfrüchten sind ideal, weil sie der Körper zur Verwertung erst aufspalten muss. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel langsam an und bleibt längere Zeit konstant. Heißhungerattacken werden so vermieden. Außerdem liefern komplexe Kohlenhydrate wertvolle Ballaststoffe, die gut sättigen und die Verdauung anregen.

Durchhalten ist entscheidend

Für alle, die Gewicht verlieren wollen, ist es nach Angaben der DGE weniger entscheidend, ob sie sich nach Low Carb oder Low Fat ernähren. Wichtig ist, dass sie die Diät durchhalten und langfristig nicht wieder zunehmen. Für eine langfristige Ernährungsform über Jahre hinweg sollte auf Kohlenhydrate der Gesundheit zuliebe aber besser nicht verzichtet werden.       

Justine Kocur

Lesen Sie auch unseren Beitrag: „Zuckerersatz: Stevia, Sucolin und Birkenzucker"

 

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