Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Allergien erkennen und handeln

Gutes Essen ist einfach lecker, sollte man meinen. Doch viele Menschen reagieren auf Inhaltsstoffe in der Nahrung mit Beschwerden. Sind die Auslöser erst einmal erkannt, öffnen sich Wege zum unbeschwerten Genuss.

Familie frühstückt gesund1. Laktoseintoleranz
2. Allergie auf Micheiweiß
3. Allergie auf Hühnerei
4. Fruktose-Malabsorption
5. Histamin-Unverträglichkeit
6. Phenylketonurie (PKU)
7. Zöliakie / Gluten-Intoleranz

Laktoseintoleranz

Die körpereigene Produktion des Milchzucker-spaltenden Enzyms (= Laktase), nimmt im Laufe des Lebens ab. Erreicht der Milchzucker den Dickdarm unverdaut, wird er dort von Bakterien zu Gasen und Säuren abgebaut. Zusätzlich zieht er Wasser aus dem Gewebe, was schlimme Durchfälle auslösen kann.

Mitunter hilft es bereits, die Frischmilch wegzulassen und vorzugsweise bestimmte Käsesorten und Sauermilchprodukte zu verzehren, die durch die Reifung bzw. Milchsäuregärung weniger Laktose enthalten. Sind die Beschwerden jedoch sehr heftig, bieten sich laktosefreie Milchprodukte zur Bereicherung des Speiseplans an. Die fehlende Laktase kann außerdem ergänzend eingenommen werden (z. B. Laktase Plus von Natura, Lacto direct von Hübner). Übrigens: Alle Tiermilchprodukte enthalten von Natur aus Milchzucker, also ebenso Schafs- und Ziegenmilch. Alternativen zu Milchprodukten siehe auch nächster Punkt.

Buchtipp: Gesund essen bei Laktoseintoleranz, Britta-Marei Lanzenberger, Simone Mauss, GU, 14,99 Euro

Allergie auf Milcheiweiß

Meist richtet sich die Allergie gegen das Eiweiß in der Kuhmilch, nicht aber gegen die Produkte anderer Tiere (Ziege, Schaf, Stute). Trotzdem sollte zur Sicherheit ein Test erfolgen. Und Vorsicht bei gängigem Schafs- oder Ziegenkäse: Hier kann Kuhmilch beigemischt sein. Die Sorten aus dem Reformhaus® sind garantiert frei davon.

Drinks, hergestellt aus Soja, Hafer, Reis oder Mandelmus, sind schmackhafte „Milch“-Alternativen. Aus der Kokosnuss bieten sich gleich zwei Varianten an: Die gehaltvolle cremige Kokosmilch und das erfrischende Kokoswasser, gewonnen aus der unreifen Frucht. Außerdem im Angebot: Desserts, Soja- und Ziegenjoghurt, eine Variante auf Sojabasis zu süßer Sahne, Tofu statt Speisequark, pflanzliche Brotaufstriche sowie Pflanzenmargarine ohne Milcheiweiß (z. B. von Eden). Aus Sojadrink lässt sich mit speziellen Kulturen (von neuform international) Joghurt selbst herstellen.
Tipp für Naschkatzen: Die bittere Schokoladenvariante ist meist ohne Milch und obendrein sehr gesund.

Buchtipp: Soja. Der leichte Genuss, Elisabeth Fischer, Irene Kührer, Kneipp-Verlag, 19,90 Euro

Allergie auf Hühnerei

Eine erste einfache Lösung ist das Weglassen des Frühstückseis. Beim Griff zu Fertigprodukten sollte zuvor ein Blick auf das Etikett geworfen werden. Zur Erleichterung aller Ei-Allergiker ist für abgepackte Lebensmittel inzwischen EU-weit vorgeschrieben, dass die Verwendung von Eiern beziehungsweise Eierzeugnissen auf der Packung stehen muss.

Will man lockeres Gebäck selbst herstellen und Suppen und Saucen ohne Ei binden, ist es nützlich, sich ein paar Tricks und Kniffe anzueignen. Im Reformhaus® gibt es außerdem unproblematische Bindemittel wie Hirse- und Hefeflocken, Johannisbrot- und Guarkernmehl („Bindino“ von Brecht) bis hin zu „Ei-Ersatz“ (von der Hammermühle). Eine appetitlich gelbe Färbung von eifreiem Kuchen beschert Safran.

Fruktose-Malabsorption

Fruktose kommt in Früchten genauso wie in Honig und einigen Gemüsesorten vor. Und im festen Verbund mit einem anderen Einfachzucker, der Glukose, kennen wir ihn ebenfalls – als normalen Haushaltszucker. Vor allem in den USA findet man Fruktose darüber hinaus massenhaft als isoliertes Süßungsmittel in Puddings, Eis, Softdrinks und Limos.

Ist der Transportmechanismus für den Zuckerstoff gestört, spricht man von Fruktose-Malabsorption. Die Betroffenen klagen über Blähungen und Durchfall, Bauchkrämpfe und Übelkeit. Auslöser der Beschwerden sind meist Obst, Trockenfrüchte und die erwähnten fruktosegesüßten Lebensmittel. Außerdem kann Sorbit in Kaugummis und Bonbons Probleme bereiten, denn der Körper wandelt den Zuckeraustauschstoff in Fruktose um. Ob die Malabsorption deshalb häufiger auftritt, weil Fruktose und Sorbit immer öfter als Süßungsmittel in Produkten zu finden sind oder ob sie früher von Ärzten nur nicht diagnostiziert wurde, ist unklar.

Auch hier liefert die Wissenschaft wichtige Forschungsergebnisse: Die gezielte, gleichzeitige Aufnahme des Einfachzuckers Glukose (etwa Gluco-Fruit von Bergland Pharma; Reissirup von neuform international) soll eine Fruktose-Malabsorption mildern können. Denn „Glukose hilft dem Körper, Fruktose aus dem Darm leichter aufzunehmen, indem es den Transportmechanismus anregt“, weiß der Internist Dr. Bernd Regler.

Neben der Malabsorption gibt es seltener die angeborene Störung hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI). Hierbei ist ein Enzym in der Leber defekt. Die Anlage zu dieser Erkrankung wird von beiden Elternteilen an das Kind vererbt, ohne dass bei ihnen selbst die Krankheit ausgebrochen sein muss.

Buchtipp: Hereditäre Fructose-Intoleranz und Fructose-Malabsorption, Hrsg. Martin Sacherl, Selbsthilfegruppe hereditäre Fructoseintoleranz (HFI), ISBN: 978-3-00-021754-8, Bezug über www.fructoseintoleranz.de, 25 Euro

Histamin-Unverträglichkeit

Histamin entsteht einerseits direkt im Organismus und ist dort an verschiedenen Steuerungsvorgängen beteiligt. Zum anderen kann das biogene Amin auch aufgenommen werden: vor allem aus gereiften und fermentierten Lebensmitteln wie Hartkäse, Wurst, Schinken, Sauerkraut, Räucherfisch, Sojasauce, Wein, Sekt und Bier, denn Histamin bildet sich dort während der Lagerung.

Für seinen Abbau benötigt der Körper ein bestimmtes Enzym. Kann er dies nicht in ausreichender Menge produzieren oder wird der Abbau durch Alkohol oder Medikamente gestört, löst der Histaminüberschuss allergieähnliche Symptome aus. Fachleute sprechen von Pseudoallergie. Wie heftig die Reaktion ausfällt, ist unterschiedlich und hängt von der individuell tolerierten Histaminmenge ab.

Wer empfindlich auf Histamin reagiert, sollte die Histaminzufuhr über die Nahrung reduzieren. Frische und unverarbeitete Lebensmittel sind von Vorteil. Vorsicht ist geboten bei Lebensmitteln, die eine Freisetzung von Histamin im Körper begünstigen. Dazu gehören Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Tomaten, Ananas, Kiwi, Meeresfrüchte, alkoholische Getränke und Schokolade.

Buchtipp: Histaminarm kochen - vegetarisch, Nadja Schäfers, pala-verlag, 14 Euro

Phenylketonurie (PKU)

Bei dieser angeborenen Störung des Aminosäurestoffwechsels, die in Deutschland bei rund einem von 7.500 bis 10.000 Neugeborenen auftritt, kann der Eiweißbaustein Phenylalanin aufgrund eines Enzymdefektes nicht richtig verwertet werden. Phenylalanin und giftige Abbauprodukte (Ketone) reichern sich im Blut an und stören in bestimmten Konzentrationen die Entwicklung der Gehirnzellen. Das Problem: Phenylalanin wird mit jeder eiweißhaltigen Nahrung aufgenommen.

Die einzig wirksame Behandlung ist daher eine lebenslange phenylalaninarme Diät. Die tolerierte Menge legt der Arzt in engmaschigen Kontrolluntersuchungen fest. Prinzip der Diät: Auf alle eiweißreichen Lebensmittel wie Milch, Eier, Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte verzichten. Erlaubt sind Lebensmittel, die wenig Eiweiß enthalten: Obst, Gemüse, Kartoffeln, Margarine, Honig sowie eiweißarme Diätprodukte (etwa von der Hammermühle) als Ersatz für Brot, Gebäck, Nudeln und Frühstückscerealien.

Weitere Informationen unter: Deutsche Interessengemeinschaft Phenylketonurie und verwandte Stoffwechselstörungen (DIG PKU) e. V., www.dig-pku.de

Zöliakie / Gluten-Intoleranz

Zöliakie, bei Erwachsenen manchmal auch Sprue genannt, ist eine Erkrankung des Dünndarms. Sie entsteht, wenn ein bestimmter Eiweißbestandteil, das Gluten oder Klebereiweiß, aus den Getreidesorten Weizen, Dinkel/Grünkern, Roggen, Gerste und Hafer nicht vertragen wird. Experten schätzen, dass sich unter 500 Menschen eine Person mit Glutenunverträglichkeit befindet. Die Zahl der unerkannten Fälle liegt aber vermutlich noch weitaus höher.

Zöliakie lässt sich derzeit nicht heilen. Diätetische Maßnahmen können allerdings zur Beschwerdefreiheit führen. Als wichtigste Regel gilt: Alle glutenhaltigen Getreidesorten strikt meiden. Erlaubt sind Reis, Mais, Buchweizen, Hirse, Quinoa, Amaranth, Teffmehl und die Produkte daraus. Im Reformhaus® sind zudem viele Spezialprodukte ohne Gluten erhältlich: von Brot, Müsli, Hirseflocken, Teigwaren bis hin zu Riegeln und Gebäck (zum Beispiel Bio Minderleinsmühle glutenfrei).

Buchtipp: Zöliakie: Mehr wissen – besser verstehen. Beschwerdefrei leben mit der sicheren Diagnose und einer glutenfreien Ernährung, Andrea Hiller, Trias, 19,95 Euro

Doris Eschenauer

Mehr zum Thema finden Sie im Ratgeber „Milch-/eifreie Ernährung“ [Download].

 

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