Bitterstoffe

„Was bitter dem Mund, ist dem Magen gesund”       

In der Pflanzenheilkunde nehmen Bitterstoffe eine wichtige Rolle ein. Außerdem besitzen sie zahlreiche positive Wirkungen, die jedoch immer mehr in Vergessenheit geraten. Gedächtnisstütze gefällig?

alt

Das Wissen um die Bitterstoffe geriet in den letzten Jahren zunehmend in Vergessenheit. Das zeigt der stetige Rückgang bitter schmeckender Speisen in unserer Ernährung. Gesundheitsexperten sehen das mit Bedauern, denn damit gehen dem menschlichen Körper eine Vielzahl an positiven Wirkungen verloren.

Bitterstoffe in der Naturheilkunde

Bittermittel, im Lateinischen „Amara” genannt, gehören zu den wichtigsten Arzneistoffen der Naturheilkunde. Sie sind in der Pflanzenwelt weit verbreitet. Außerdem sind sie eine maßgebliche Geschmackskomponente in einigen Obst- und Gemüsesorten, wie z. B. Grapefruit, Chicorée, Radicchio oder Endiviensalat. Heilkundige verordneten die Einnahme von Bitterstoffen schon früh zur allgemeinen Stoffwechselaktivierung oder innerlichen Reinigung.  

Wermut hilft der Verdauung

Im Speziellen empfahl Hildegard von Bingen eine Wermutkur bei hartnäckigen Magenbeschwerden. Wermut regt als eine der bittersten Pflanzen die Durchblutung der Verdauungsorgane an. Er mindert Völlegefühl nach dem Essen, Blähungen und Bauchschmerzen. Zahlreiche Kräutermischungen, die der Verdauungsanregung dienen, enthalten heute Wermutextrakt. Vorsicht ist während der Schwangerschaft geboten, da Wermut die Wehentätigkeit anregt!

Barbara Sukowa spielte 2009 in „Vision – aus dem Leben der Hildegard von Bingen” (2009) die Heilkundige Äbtissin

Bitterstoffe unterstützen die Verträglichkeit von Speisen

Vor 20 Jahren schmeckte der innere Spross von Chicorée noch gallebitter und auch Spargel hatte ein kräftiges Bitteraroma. Heute ist zugunsten eines angenehm süßlichen Geschmacks ein Großteil der Bitterstoffe heraus gezüchtet worden. Leider hat das einen unerwünschten Nebeneffekt: Nahrung, die nur mild und süßlich schmeckt, verlockt zu mehr und steigert den Appetit. Bitterstoffe dagegen erhöhen die Verträglichkeit des Essens, fördern den Speichelfluss und die Sekretion von Magensäften.

Bitterstoffe regulieren das Körpergewicht

Eine Forschungsgruppe um die Ernährungswissenschaftlerin Gretchen L. Goldstein von der Rutgers Universität in New Jersey fand heraus, dass Bitterstoffe einen regulierenden Effekt auf das Körpergewicht haben. Die Geschmacksrichtung „bitter” vermittelt dem Körper wichtige Signale, die einerseits die Verdauungsprozesse anregen, aber andererseits auch die Sättigung fördern. Wiederum Gehirnforscher erklären dieses Phänomen mit der Botschaft, die das Geschmacksempfinden „bitter” an das Gehirn sendet. Denn viele giftige Pflanzen in der Natur schmecken bitter. Spürt also die Zunge diesen Geschmack, löst das automatisch eine Abwehr aus und eine überbordende Lust am Essen wird gebremst.

Bitterstoffe regen Fettverdauung an

Sie können sich an Bitterstoffe gewöhnen. Wer regelmäßig bittere Speisen in die Kost einbaut, empfindet diese bald nicht mehr als unangenehm. Typische Bittergewürze sind Bockshornklee, Kurkuma, aber auch Ingwer, Salbei, Rosmarin und Basilikum. Im Gegensatz zu den anderen Geschmacksrichtungen süß, salzig und sauer wird bitter intensiver und nachhaltiger empfunden. Gesundheitsexperten raten, sich auf dieses Erlebnis einzulassen, denn die Bitterstoffe regen zusätzlich die Fettverdauung an.

Bitterstoffe machen froh

„Bittermittel wirken therapeutisch gegen Ermüdungserscheinungen, sie fördern die Verdauung, stärken das Immunsystem und helfen zum Teil als natürliches Antidepressivum”, sagt Professor Reinhard Saller, Direktor des Instituts für Naturheilkunde der Universität Zürich.

Dr. Henrike Staudte

 

Anzeige

Banner

Reformhaus Ratgeber

Diverse Reformhaus Ratgeber
erhalten Sie in Ihrer Filiale oder
[hier als Download]